SV Friedersdorf 1920 e.V.

Fair Play Regeln auf dem Prüfstand

Tim Duckstein, 13.06.2017

Fair Play Regeln auf dem Prüfstand

Bambinifussball ohne Eltern an der Seitenlinie. Bambinifussball ohne Schiedsrichter. Bambinifussball, wo die Kinder selbst die Entscheidungen treffen. Gibt´s nicht? Gibt´s wohl! Am Samstag wurde dieses Szenario für unsere Nachwuchskicker Realität. In mehreren Testspielen gegen die Kids-Auswahl des SV Turbine Zschornewitz wurden die neuen Regeln auf Herz und Nieren getestet. 

Im Vorfeld der Partien einigten sich die beiden Trainerteams auf die Umsetzung der Vorgaben des DFB. So soll ab kommender Saison nur noch nach diesen Regeln gespielt werden. Und um überhaupt zu wissen, was einen da erwartet, fanden diese Spiele statt. 

Die folgenden Zeilen spiegeln meine Meinung dazu wider und entsprechen nicht unbedingt den Eindrücken von anderen Beteiligten. 

Die Spielfeldgröße für Kinder in dieser Alterstufe soll auf 15x20 Meter begrenzt sein und sich mitten auf einem Platz befinden, damit die Eltern/Zuschauer mindesten 15m Abstand zu ihren Kiddies haben und so ein Reinrufen von außen (taktischer Natur) verhindert werden soll. Anfeuern ist immer noch gestattet, nur soll es von den Eltern keine Entscheidungen auf das Spielgeschehen geben. Also rufen, dass das ein Eckball war, etc. ß Meine Meinung: Es macht Sinn, dass sich die Eltern aus dem Spielgeschehen komplett heraushalten und die Kids nicht durch Reinrufe gestört werden und selber Entscheidungen treffen. Nur betrifft uns das eher weniger. Ich vermute, dass diese Regel auf Grund von Elternteilen implementiert wurde, die sich bei anderen Spielen enorm daneben benommen haben. Dennoch finde ich das gut. Die Spielfeldgröße sehe ich als suboptimal an. 15x20 m und dann 6 gegen 6 ist ziemlich eng. Bambinis wollen sich bewegen und in diesem Alter ist es selbst vom DFB nicht vorgesehen, dass hier schon akkurate Pässe gespielt werden sollen. Somit springt der Ball auch mal drei Meter weg, wodurch dann ziemlich schnell die Außenlinien überschritten werden und es den Ball für die andere Mannschaft gibt. Unser Spielfeld war größer angelegt und jedes Kind hatte die Möglichkeit zu rennen und auch mal längere Strecken mit dem Ball zurückzulegen. Klar, man kann auch die Spieleranzahl reduzieren und somit mehr Räume schaffen. Aber man hat, wie in unserem Fall, auch mal 12 Kinder im Kader die alle spielen wollen. Und in den zehn Minuten Spielzeit ist man theoretisch nur noch am Wechseln und verhindert somit ein Einspielen auf Wettkampfniveau. 

Schiedsrichter gibt es in den Partieen der Fair Play Liga keine mehr. Somit haben es die Kids selbst in der Hand zu entscheiden, ob es nun Einwurf, Eckball, Foul, etc war. Das dient dazu, Eigenverantwortung zu übernehmen, um selber zu entscheiden, dass ein Spiel fair und nach den Regeln abläuft. ß Meine Meinung: In Bambinimannschaften hat man nicht selten 4-Jährige, die noch nicht die Erfahrung im Fußball gesammelt haben und somit noch gar nicht die Reife besitzen zu entscheiden, was in dieser Situation das Richtige ist. Wenn man dann als Gegner 6-Jährige hat, die schon weiter sind und auch mehr Durchsetzungsvermögen, steht man als Jüngerer immer hinten an. Man traut sich nicht, den Anderen zu überstimmen, da der ja viel größer ist und ich dadurch eingeschüchtert werde. Das Spiel ohne Schiedsrichter halte ich für nicht optimal, da es dann in der übernächsten Altersstufe dazu kommen kann, das plötzlich Entscheidungen des nun anwesenden Schiris als nicht gegeben hingenommen werden, da man ja seit seiner Anfangszeit viele Sachen anders entschieden hat. Klar können wir als Trainer auch eingreifen, allerdings nicht bei Fehlentscheidungen, sondern nur, wenn sich beide Parteien nicht einigen können. Somit fungiert man ja als Schiedsrichter (in Absprache mit den Trainerkollegen der anderen Mannschaft). Um auch in Zukunft den Respekt gegenüber den Unparteiischen nicht vermissen zu lassen, fände ich es besser, gleich von Anfang an diesen als alleinigen Entscheider auf dem Platz mit einzubringen. 

Laut den Regeln der Fair Play Liga ist nach Abschluß des Spiels/der Spiele das Ergebnis 0:0. Egal, was vorher passiert ist. Das dient dazu, dass man Fussball nicht mehr nur als reinen Ergebnissport ansehen soll. ß Meine Meinung: Selbst (oder besser gerade) als Kind möchte man Bestätigung für das Erreichte haben. In allen Lebensbereichen lobt man sein Kind für tolle Sachen, die es gemacht hat. Und plötzlich soll man ihm erklären, dass das Spiel 0:0 ausgegangen ist, auch wenn selbiger Spieler 2 Tore geschossen hat? Klar ist es möglich, ihn für seine 2 Tore zu feiern. Den Unterschied, ob die Treffer zählen oder nicht, bekommt es eh nicht mit. Aber bei den Bambinis fährt man nicht zu einem einzelnen Spiel, absolviert es und fährt wieder nach Hause. Es ist immer ein Turnier und bei einem Turnier muss es einen Gewinner geben. Wie möchte man sonst einem 5-Jährigen erklären, dass zwar seine Mannschaft alle Spiele gewonnen hat (das bekommen die Kids schon sehr früh mit, da sie ja mitzählen) und er trotzdem nicht als Gewinner die Veranstaltung verlässt?  Es gab und es wird immer Gewinner und Verlierer geben. Egal in welchen Belangen. Und je eher man damit anfängt, diese Erfahrung auch zu machen, desto eher lernen die Kiddies, damit umzugehen. Nur, weil es jetzt beim Fussball vielleicht keinen Sieg und keine Niederlage gibt, ändert sich das außerhalb des Platzes nicht. Das, was auf dem Spielfeld passiert, dient in diesem Alter nicht nur dem Fussball. Durch das Miteinander während des Spiels und die soziale Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird, entwickelt man sich. Fällt dieses Denken weg und man wird im Kindergarten oder beim Spielen mit jemandem konfrontiert, der diese Regeln nicht kennt, ist man automatisch der Unterlegene, da sein Gegenüber alles versuchen wird, um zu gewinnen.

Abgesehen von den oben beschriebenen Regeln gibt es auch die Vorgabe, dass nicht mehr auf feste Tore, sondern auf Stangen gespielt werden soll. Hier kann sich nun jeder selbst eine Meinung dazu bilden, ob es sinnvoll ist oder nicht.

Genug der Gedanken, lasst uns auf die Spiele vom Samstag zurück kommen. Es gab zwei Premieren zu feiern. Emma erzielte ihr erstes Saisontor! Und nicht irgendeins, nein. Mit einem fulminaten Linksschuss aus der Distanz überwand sie den gegnerischen Keeper und ließ den Ball unten links im Netz zappeln. Da dachte sich Hugo, das kann ich doch bestimmt auch und versenkte nach schönen Kontern den Ball zweimal im Kasten von Zschornewitz. Die Freude innerhalb der Mannschaft ob der zwei Tore waren riesig, auch wenn in der Endabrechnung das eine oder andere Gegentor auf der Sollseite stand. Aber, was haben wir gelernt? Alle Spiele endeten 0:0...

Wir möchten uns auch noch ausdrücklich bei den Verantwortlichen des SV Turbine Zschornewitz, Christopher Zollweg und Mathias Kuhne bedanken, welche mit uns diese Neuerung sportlich fair gemeistert haben. 

Unsere Bambinis: Connor, Emma, Erik, Florian, Hauke, Hugo, Jonas, Luca, Noah, Oskar, Tayler und Tristan...


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